Kölner Stadt-Anzeiger 

The article below appeared on page 7 of the Kölner Stadt-Anzeiger (the major Cologne daily newspaper) on 3 March 2002. Below it is an (as yet unpublished?) response from distinguished baggist Walter Brinker.

If you can't read German, then you can either (a) learn, or (b) beg me or Walter to translate it.

Das ist ja ein Ding

EMMANUEL VAN STEIN

In irgendeinem Zeitgeistmagazin haben wir neulich gelesen, dass die Gäste der Lufthansa angeblich 2,6 Millionen Kotztüten im Jahr verbrauchen. Sauber! Nur 1,2 Millionen sollen es bei der Swissair sein (inzwischen sogar null), aber 3,4 Millionen bei der Air France. Was lernen wir daraus'? Dass es dem Franzosen, einem Gourmet par excellence, über den Wolken annähernd dreimal so rasch übel wird wie dem Schweizer, der sich bekanntermaßen ab mittlerer Almhöhe fast ausschließlich von Schokis ernährt. Während der Deutsche auch magentechnisch und gesichtsfarblich (bedenkenträgerisch grün?grau) wieder mal nur Mittelmaß demonstriert. Ganz übel! Solche Überlegungen relativieren sich allerdings erheblich, wenn man bedenkt, dass Kotztüten (oder wenn Ihnen das besser gefällt: Spuckbeutel) in gehobenen Sammlerkreisen äußerst begehrt sind. Unbenutzte wohlgemerkt. Auf Tauschbörsen wandern diese Dinge flugs von einem großformatigen Kotztüten?Album ins andere.

Wir haben deshalb mal etwas genauer hin(ein)geschaut. Und konnten erhebliche qualitative wie übrigens auch quantitative Unterschiede ausmachen: Die "Air China" zum Beispiel übergibt jedem Reisenden einen "Waterproof Disposal Bag", also ein wasserdichtes Säckchen, das obendrein obendrauf mit einem kleinen quer geriffelten Papier verschlossen ist, welches vor Gebrauch mit spitzen Fingern abgeknibbelt werden muss. Man kann bei dieser Fluggesellschaft also sicher gehen, Erstbenutzer zu sein. Für Sammler ein wesentliches Kriterium ähnlich wie bei den Ersttagsbriefen der Post.

Nach ausgiebigen Beutel-Recherchen, die lediglich bekannte Beuteltiere außer Acht ließen, konnten wir überdies herausfinden, dass diese Dinger auf Inlandsflügen kleiner gearbeitet sind, was natürlich vollen Sinn macht. Wir wissen allerdings nicht, wie viele Kotztüten die "Air China" jährlich benötigt, vermuten jedoch ob des durchaus leckeren Bordessens (sogar ohne Stäbchen!), dass die Zahl wahrscheinlich deutlich unter (vormaligem) Schweizer Niveau liegt. Auf die Flugverpflegung der Franzosen und die Bordküche der Air France wirft diese Statistik freilich einen dunklen, fleckigen Schatten. Merde!

 

 

AIPhKS
Association Internationale des Philokinetososakistes
Sektion Deutschland
Ortsgruppe Radevormwald-West
Hauptsackwart: Walter Brinker (kommiss.)
Niedernfeld 2, 42477 Radevormwald, Germany
Tel +49 2195 40928, Fax +49 2195 6517

Korrespondierende Organisationen:

bulletInternational Waste Bag Collectors Association 
bulletKoninglijke Vereniging van Verzamelaars van Prullezakjes
bulletFederacion Latino-Americana de Coleccionistas de Bolsas de Mareo
Kölner Stadt-Anzeiger
Redaktion

z.Hd. Herrn Emmanuel van Stein

12.3.02

Betr.: Ausgabe 2./3. März 02, S.7, "Das ist ja ein Ding"

Sehr geehrter Herr van Stein,

zunächst möchte ich Ihnen meinen aufrichtig empfundenen Dank aussprechen, daß Sie als Avantgarde des innovativen und investigativen Journalismus sich endlich einmal des lange zu Unrecht in den Medien unterbewerteten, dennoch wichtigen und brisanten Themas der Luftkrankheitsbeutel, vulgo Kotzbeutel angenommen haben. Es ist wichtig, in einem Klima der Reizüberflutung auch den Daheimgebliebenen und den Noch-Nicht-Fliegern die vielschichtige Problematik der Ausstattung der Flugzeuge mit und des Gebrauchs der Spucktüten leidenschaftlich und engagiert näher zu bringen. Außerdem ist dringend geboten, der immer mehr um sich greifenden Tendenz der Fluggesellschaften, neutrale Tüten zu verwenden, Einhalt zu gebieten. Unter vordergründigen Wirtschaftlichkeitsaspekten wird hier eine wichtige Chance zur Gestaltung einer Firmenidentität, die diesen Namen verdient, leichtfertig vertan. Die Gemeinschaft der Kotzbeutelsammler oder Philokinetososakisten ist bestrebt, dieses wichtige Kulturgut, dessen individuelle Gestaltung immer mehr den billigen Einheitstüten weichen muß, auch für nachfolgende Generationen zu schützen und zu bewahren.

Aber ich kann auch meine Betrübung nicht verhehlen, daß trotz vielfältiger Bemühungen unserer weltweit aktiven Organisationen, es immer noch keinen Fach-Kotzbeuteljournalisten gibt, nicht einmal bei überregional verbreiteten Blättern. Dadurch schleichen sich immer wieder, wie auch in Ihrem Artikel, Fehldarstellungen ein, die wir nicht unwidersprochen stehen lassen können. 

So ist mir z.B. unerklärlich, wie Sie auf die Idee kommen, daß Kotzbeutel für nationale Flüge kleiner sind als für internationale. Fast alle Fluggesellschaften statten ihre Flugzeuge unabhängig von der Destination gleich aus. Die wenigen, die das nicht tun, verwenden sogar eher größere für die Inlandsflüge, was wegen der kleineren und damit windabhängigeren Flugzeuge auch plausibel ist. Stellvertretend möchte ich die Beutel der Lao Aviation International (23,6 x 12,1 cm) und Lao Aviation Domestic (25,4 x 18,1 cm) aus Laos nennen. Es ist in der Praxis nicht üblich, für lange internationale Flüge größere Beutel zu verwenden, sondern für jeden Brechvorgang einen frischen Beutel zu nehmen. 

Der unterschiedlich hohe Bedarf an Spuckbeuteln bei Lufthansa, Swissair und Air France liegt natürlich nicht an Unterschieden bei Material oder Personal, wie in Ihrem Artikel unterstellt, sondern daran, daß die mittlerweile immer größer werdende Zahl von Sammlern, die strahlende weiße Tüte mit diskretem, in den fröhlichen Farben der Trikolore gehaltenem Logo der Air France der sich in tristem Einheits-Grau einher kommenden Tüte der Lufthansa vorzieht. Die Swissair wiederum hat durch zu häufigen Designwechsel der Tüte (fast jedes Jahr gab es ein neues Modell) den durchschnittlichen Sammler verwirrt und nur von den ernsthaften Sammlern beflogen, konnte sie sich nicht mehr lange halten.

Ich erwarte, daß Sie in einer Gegendarstellung diese Fehlinformationen der breiten Leserschaft gegenüber korrigieren. Um solche peinlichen Fehler und Mißinterpretationen in Zukunft zu vermeiden, biete ich Ihnen meine Dienste im Rahmen einer Beratertätigkeit an. Als langjähriger Sammler mit einer Kollektion von mittlerweile 1437 unterschiedlichen Beuteln von 652 Fluglinien bringe ich das nötige Wissen und die erforderliche Übersicht über das gesamte Gebiet ein. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Walter Brinker

PS Wir können Spendenquittungen ausstellen!

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